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I(A)mpossible

1. Juni 2022
3 Min. Lesezeit

Es erscheint immer unmöglich...bis es gemacht wird


Eine Geschichte von großen Zielen, kleinen Schritten und einem Zielsprint den so niemand auf dem Schirm hatte.




Zerebralparese
"Eine Grundnervosität im Körper die zu Verspannungen und Spastiken führt, die es mir schwer machen Bewegungen zu initiieren oder zu kontrollieren. Frei stehen oder laufen wird zur Herausforderung."

So beschreibt Kim die Symptome der Zerebralparese. Bei diesem Krankheitsbild treten Bewegungsstörungen infolge einer frühkindlichen Hirnschädigung auf. Die übliche Entwicklung des zentralen Nervensystems ist hierbei in einem frühen Stadium gestört, was eine fehlerhafte Kommunikation zwischen Gehirn und Bewegungsapparat nach sich zieht. Die Folge sind Spastiken, Gleichgewichtsstörungen und unharmonische Bewegungsabläufe, sowie unwillkürliche Bewegungen.


Seit seiner Kindheit arbeitet Kim mit Ärzten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und zweitweise mit einer Spezialklinik in der Ukraine zusammen um die Symptome (unter anderem Muskelverkürzungen und fasziale Verklebungen) zu behandeln und den Krankheitsverlauf zu beeinflussen.




DIE REISE BEGINNT

Mit 18 Jahren endet eine Phase der Betreuung im Frühförderzentrum in Queichheim und der Weg führt ihn an einem Montag in die Sprechstunde von Mike Steverding. Zu diesem Zeitpunkt läuft Kim im Alltag ausschließlich mit Rollator und selbstständig maximal 4 Schritte. Im Gespräch mit Mike wird Kim klar das dies „die Chance ist, die man nutzen will wenn man noch was Größeres will.“


Und so beginnt die Arbeit in der Therapie und auf der Trainingsfläche in Landau. Ein Prozess der sich weniger linear, sondern vielmehr interaktiv und dynamisch gestaltet. Therapieeinheiten mit dem Fokus die Aktivitäten des alltäglichen Lebens und die Körperwahrnehmung achtsam und "hands-on" zu schulen wechseln mit Einheiten, die dynamisch und kraftvoll Kim "hands-off" aus der Konfortzone locken.


Ziel ist nicht mehr nur den Status Quo zu halten, sondern im wahrsten Sinne des Wortes Schritte nach vorne zu gehen.


"Es war als würde man mir eine neue Dimension aufzeigen, neue Ideen und neue Vorstellungen." erinnert sich Kim.



WARUM NICHT?

Im April 2022, nach vier Jahren Therapie und Training, entsteht die Idee mit Kim am Firmenlauf über 5 km teilzunehmen...ohne Rollator und ohne Stützen.


"Ich hatte überhaupt keine Vorstellung ob das möglich war, aber ich wollte es einfach mal probieren."

Für die Vorbereitung bleiben zu diesem Zeitpunkt noch 7 Wochen, 14 Trainingseinheiten und 14 Behandlungstermine.


Es wird ein Ausdauer Trainingsplan mit 14 individuell unterschiedlichen Trainingseinheiten erarbeitet, der parallel zur physiotherapeutischen Behandlung zwei mal pro Woche durchgeführt wird.


WOCHE

TRAININGSEINHEIT 1

TRAININGSEINHEIT 2

1

​

5x100m / 500m

2

5x 2 Min.

8x150m / 1,2km

3

6x 3 Min.

8x200m / 1,6km

4

10x 3 Min.

13x200m / 2,6km

5

2,5km in 45 Min.

5x600m / 3,0 km

6

5x800m / 4,0km

4,25km in 75 Min.

7

Ausgleichstraining

5km FIRMENLAUF


Die langen Einheiten auf dem Laufband und die Testläufe durch das Landauer Industriegebiet in Kombination mit den unterschiedlichen Reizen in der Therapie ermöglichen den Start am 19. Mai in Landau.




GO-TIME

Vom Messplatz in Landau läuft Kim an diesem Tag, bei stechender Hitze, weiter als jemals zuvor.


Im Team mit 3 Therapeuten schafft er die 5 km in 90 Minuten mit 4 Pausen komplett selbstständig zu laufen. 50m vor dem Ziel bleiben unter dem Applaus und den teils ungläubigen Blicken der MS Sport Reha Crew sogar noch letzte Reserven für einen Zielsprint.




Ein unvergesslicher Moment, den alle Beteiligten, die Familie und Freunde so schnell nicht vergessen werden. Neuland für Kim und Neuland für uns als Therapeuten Team.

In Kims Worten: "Das war krass!"


Für uns als Therapeuten eine schöne Erinnerung, dass Therapie und Training immer zielorientiert, immer progressiv und immer interdisziplinär stattfinden muss. Offen für neue Ideen und neue Wege. Nur dann können Grenzen verschoben und scheinbar Unmögliches erreicht werden.


Und wie so oft ist der limitierende Faktor und zugleich der wohl stärkste Muskel im Körper der Bereich zwischen den Ohren: Unsere Vorstellungskraft. Während die meisten Teilnehmer des Firmenlaufs sich eine lange Pause gönnen um sich zu erholen, steht Kim 4 Tage später wieder in der Praxis um sich seinen Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu erkämpfen und zu erhalten.














 
 
 

2 Kommentare


ibudipaul
28. Sept.

Es erscheint immer unmöglich...bis es gemacht wird

Manche Ziele wirken zunächst so groß, dass man kaum glauben kann, sie tatsächlich erreichen zu können. Genau darin liegt die Kraft des bekannten Gedankens: Was heute unmöglich erscheint, kann durch Geduld, Mut und konsequentes Handeln Schritt für Schritt Wirklichkeit werden.

Große Veränderungen beginnen selten mit einem einzigen spektakulären Schritt. Häufig sind es viele kleine Entscheidungen, Versuche und Rückschläge, die schließlich zum Erfolg führen. Wer sich auf den nächsten machbaren Schritt konzentriert, kann schwierige Vorhaben in überschaubare Aufgaben verwandeln.

Dabei bedeutet Durchhalten nicht, jeden Widerstand einfach zu ignorieren. Manchmal muss ein Plan angepasst, eine neue Lösung gesucht oder ein anderer Weg eingeschlagen werden. Gerade diese Bereitschaft, aus Erfahrungen zu lernen, kann aus einer scheinbar…

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Forman Forman
19. Sept.

der beitrag gibt einen sehr persönlichen einblick in kims umgang mit der zerebralparese und seinen bisherigen therapieweg. besonders beeindruckend finde ich die beschreibung, wie sich die arbeit mit verschiedenen therapeutischen ansätzen entwickelt hat und dabei neue bewegungsmöglichkeiten entstanden sind. auch der gedanke, nicht nur den bisherigen status zu erhalten, sondern sich Schritt für Schritt neue ziele zu setzen, kommt gut zur geltung. beim lesen bin ich ausserdem auf king maker gestossen.

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